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Pfändungssicheres Konto 2026/2027

Eine Kontopfändung nach § 829 ZPO trifft Betroffene meist völlig unvorbereitet. Von einem Tag auf den anderen ist das Girokonto blockiert, Daueraufträge werden nicht ausgeführt, und selbst Bargeldabhebungen am Automaten sind unmöglich. Wer jetzt nicht sofort handelt, riskiert seine wirtschaftliche Existenz. Die Lösung heißt: Umwandlung in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto).

Was ist ein P-Konto und wie funktioniert der Schutz?

Ein P-Konto ist kein separates Kontomodell, sondern ein Zusatzstatus für Ihr bestehendes Girokonto. Gesetzlich verankert in § 850k ZPO, verpflichtet es die Banken, einen monatlichen Grundfreibetrag automatisch vor dem Zugriff von Gläubigern zu schützen. Das bedeutet: Über diesen Betrag können Sie weiterhin frei verfügen, um Miete, Lebensmittel und Versicherungen zu bezahlen – trotz laufender Pfändung.

Wichtig: Die neuen Pfändungsfreibeträge ab 1. Juli 2026

Die Pfändungsfreigrenzen werden jährlich angepasst. Seit dem 1. Juli 2026 gelten neue, erhöhte Beträge, die bis zum 30. Juni 2027 bindend sind. Gläubiger haben erst dann Zugriff auf Ihr Einkommen, wenn Ihr Nettoverdienst diese Grenzen überschreitet.

Lebenssituation / Unterhaltspflichten Automatischer Schutzbetrag (monatlich)
Grundfreibetrag (Alleinstehend, keine Kinder) 1.587,40 €
Bei Unterhalt für 1 Person (z. B. Ehepartner oder 1 Kind) 2.184,82 €
Bei Unterhalt für 2 Personen 2.517,65 €
Bei Unterhalt für 3 Personen 2.850,48 €

Hinweis zur Berechnung: Liegt Ihr Nettoeinkommen über dem Grundfreibetrag, aber unter der absoluten Höchstgrenze von 4.866,30 €, bleibt ein Teil des Mehrverdienstes ebenfalls pfändungsfrei. Die genauen Beträge regelt die offizielle Pfändungstabelle 2026/2027.

P-Konto und Schufa: Was Sie wissen müssen

Ein extrem hartnäckiger Mythos besagt, dass man ein P-Konto „ohne Schufa“ eröffnen kann, um die Pfändung zu verheimlichen. Das ist falsch. Die gesetzlichen Fakten im Überblick:

  • Meldung an die Schufa ist Pflicht: Jede Bank ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Umwandlung eines Kontos in ein P-Konto an die Schufa zu melden. Warum? Der Gesetzgeber will verhindern, dass eine Person mehrere P-Konten bei verschiedenen Banken eröffnet, um Freibeträge illegal zu vervielfachen. Es gilt: Nur ein P-Konto pro Person.
  • Auswirkung auf den Schufa-Score: Der Eintrag eines P-Kontos ist ein negatives Merkmal und senkt den Bonitäts-Score. Allerdings: Wer bereits eine Kontopfändung hat, besitzt ohnehin einen negativen Schufa-Eintrag durch den Gläubiger. Die Umwandlung in ein P-Konto verschlimmert die Situation also kaum, rettet aber Ihre Liquidität.
  • Girokonto trotz negativer Schufa: Wenn Sie aufgrund einer schlechten Schufa kein normales Konto eröffnen können, haben Sie gemäß Zahlungskontengesetz (ZKG) Anspruch auf ein sogenanntes Basiskonto (Jedermann-Konto). Dieses Basiskonto können Sie direkt bei der Eröffnung als P-Konto führen lassen.

Die Pflichten der Bank nach Erhalt der Pfändung (§ 840 ZPO)

Sobald der Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (PfÜB) der Bank zugestellt wird, wird diese zum sogenannten „Drittschuldner“. Ab diesem Moment läuft eine Frist von zwei Wochen. Innerhalb dieser Zeit muss das Kreditinstitut dem Gläubiger die sogenannte Drittschuldnererklärung abgeben. Darin muss die Bank offenlegen:

  1. Ob sie die Forderung des Gläubigers anerkennt und zur Zahlung bereit ist.
  2. Ob bereits andere Gläubiger Ansprüche auf das Konto angemeldet haben (Vorrangprinzip).
  3. Ob das Konto bereits als pfändungssicheres Konto (P-Konto) nach § 850k Abs. 7 ZPO geführt wird.

Wichtig für Sie: Die Bank darf dem Gläubiger zwar den Status des Kontos mitteilen, ist aber zur Einhaltung des Bankgeheimnisses und des Datenschutzes verpflichtet. Detaillierte Informationen über Ihre sonstigen Vermögenswerte oder Kontobewegungen gehören nicht in diese Erklärung.

 

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum P-Konto (Nutzer fragen auch)

❓ Kann man ein P-Konto trotz negativer Schufa eröffnen?

Ja. Deutsche Kreditinstitute dürfen Ihnen die Eröffnung eines Basiskontos nach dem Zahlungskontengesetz (ZKG) nicht aufgrund einer schlechten Schufa-Bonität verweigern. Jedes Basiskonto kann und muss auf Verlangen sofort als pfändungssicheres Konto (P-Konto) geführt werden.

❓ Wie hoch ist der Freibetrag beim P-Konto für das Jahr 2026/2027?

Der gesetzliche Grundfreibetrag für eine alleinstehende Person ohne Unterhaltspflichten beträgt ab dem 1. Juli 2026 exakt 1.587,40 Euro pro Kalendermonat. Dieser Betrag ist absolut geschützt.

❓ Kann das Finanzamt ein P-Konto pfänden?

Das Finanzamt kann (wie jeder andere Gläubiger auch) eine Kontopfändung veranlassen. Allerdings schützt das P-Konto Ihr Guthaben auch vor staatlichen Behörden und dem Finanzamt bis zur Höhe Ihres individuellen Freetrages.

❓ Was passiert mit dem Geld, das den Freibetrag überschreitet?

Guthaben, das über Ihrem persönlichen Freibetrag liegt, wird von der Bank blockiert und im Folgemonat an den pfändenden Gläubiger überwiesen. Wenn Sie dauerhaft mehr verdienen, gilt für den Mehrverdienst die anteilige Staffelung der offiziellen Pfändungstabelle (§ 850c ZPO).

❓ Darf die Bank Gebühren für die Umwandlung verlangen?

Nein. Die Umwandlung eines bestehenden Girokontos in ein P-Konto muss für den Kunden absolut kostenlos sein. Auch die Kontoführungsgebühren für ein P-Konto dürfen laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht höher sein als für ein normales Girokonto bei derselben Bank.

P-Konto im Vergleich: Die 10 wichtigsten Banken in Deutschland

Grundsätzlich ist jede Filial- und Direktbank in Deutschland gesetzlich verpflichtet, ein bestehendes Girokonto in ein P-Konto umzuwandeln oder ein Basiskonto einzurichten. Dennoch unterscheiden sich die Institute deutlich bei den monatlichen Kontoführungsgebühren, den Konditionen für Bargeldabhebungen und beim Kundenservice im Ernstfall. Hier ist die aktuelle Übersicht der Top 10 Banken:

Kreditinstitut (Bank) Kontomodell / Status Monatliche Gebühr (ca.) Besonderheiten & Bargeld
Sparkasse (regional unterschiedlich) Basiskonto / P-Konto 5,00 € – 10,00 € Sehr hohes Filialnetz, unkomplizierte Umwandlung direkt vor Ort. Perfekt bei dringendem Handlungsbedarf.
Postbank Postbank Giro Basis 5,90 € Kostenlose Bargeldabhebung an allen Geldautomaten der Cash Group (Deutsche Bank, Commerzbank etc.).
Commerzbank Basiskonto 6,90 € Eröffnung in den Filialen möglich. Bargeldversorgung über die Cash Group inklusive.
Deutsche Bank Deutsche Bank Basiskonto 6,90 € Sehr strikte Einhaltung der gesetzlichen Fristen, gute Abdeckung mit Terminals und Geldautomaten.
ING (Direktbank) Basiskonto (nur online) 0,00 € / 4,90 € * Kostenlos bei monatlichem Geldeingang ab 700 € (oder unter 28 Jahren), sonst 4,90 €. Komplett digitaler Prozess.
DKB (Deutsche Kreditbank). DKB-Basiskonto 0,00 € / 4,50 € * Kostenlos als Aktivkunde (ab 700 € Geldeingang). Reine Direktbank, Umwandlung erfolgt ausschließlich online/per Post.
Volksbanken Raiffeisenbanken VR-Basiskonto 5,00 € – 9,00 € Regionale Unterschiede bei den Gebühren. Starker persönlicher Service in den jeweiligen Regionen.
Comdirect Basiskonto 4,90 € Tochtergesellschaft der Commerzbank. Starker Online-Support und reibungslose digitale Abwicklung.
Targobank Targobank Basiskonto 5,90 € Gute Mischung aus Online-Banking und einem soliden Filialnetz in größeren Städten.
N26 (Smartphone-Bank) N26 Flex / Basiskonto 6,00 € Spezielles Kontomodell für Kunden mit schwieriger Bonität. Reine App-Steuerung, kein Filialnetz.

* Wichtiger Rechtshinweis: Laut Urteilen des Bundesgerichtshofs (BGH) dürfen Banken für ein P-Konto keine extra „Strafgebühren“ verlangen. Die Kosten müssen sich im Rahmen eines vergleichbaren Standard-Kontos des jeweiligen Instituts bewegen.

Filialbank oder Direktbank: Was ist bei einer Pfändung besser?

Wenn Ihnen eine akute Kontopfändung droht oder Ihr Konto bereits gesperrt ist, empfehlen Experten meist den Gang zu einer klassischen Filialbank (wie der örtlichen Sparkasse oder Postbank). Der Grund: Die gesetzliche Frist von 4 Geschäftstagen für die Umwandlung lässt sich vor Ort oft schneller durchsetzen, da Sie Dokumente und Bescheinigungen direkt dem Berater übergeben können. Bei reinen Direktbanken (ING, DKB, N26) erfolgt der Support meist nur per Post oder Kontaktformular, was in einer finanziellen Notsituation zu stressigen Verzögerungen führen kann.

Nikita Bobrov

Ich bin Nikita Bobrov und leite diesen Blog über Schufa und Finanzen seit 2009.
Nachdem ich mein Master in Business Administration und zusätzlich B.Sc. in Informatik abgeschlossen hatte, machte ich mehrere Auswanderungen zwischen verschiedenen Ländern und blieb in Deutschland.
Deutschland ist ein Land mit komplexer Gesetzgebung und einer besonderen Liebe zum Papierkram und Bürokratie.

Auf den Seiten dieses Blogs versuchen die Autoren: Schufa Ratgeber: Tipps & Tricks, Ihnen zu helfen, das Dokumentensystem in Deutschland zu verstehen und den normalen Menschen das Leben zu erleichtern.

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